Bürger, Politik und Medien im Ruhrgebiet

Der Niedergang des Journalismus, die Medien in der Vertrauens-  und Glaubwürdigkeitskrise, das Zeitalter der Fake-News und des Postfaktischen, Journalismus in Zeiten der Medienverdrossenheit – seit auf Pediga-Demonstrationen der Vorwurf der „Lügenpresse“ an die etablierten deutschen Medien gerichtet wurde, setzt sich die Presse wie selten zuvor mit ihrer eigenen Rolle auseinander. Angereichert durch Bevölkerungsumfragen, die ein vermeintlich niedriges Vertrauen in „die Medien“ diagnostizieren, sieht sich die vierte Gewalt unter Rechtfertigungsdruck. Nachdem der Begriff der Politikverdrossenheit schon lange in aller Munde ist, scheint mit dem Vertrauensverlust in „die Medien“ eine neue Dimension des Verfalls der repräsentativen Demokratie erreicht zu sein.

Während die Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus vor allem im Zusammenhang mit bundespolitischen Themen diskutiert wird, sind es vornehmlich lokale und regionale Kommunikationsprozesse, die als „Initiationsort für Demokratiefähigkeit“ (Lang 2003: 179) gelten. In der Leserschaft von Tageszeitungen ist der Bedarf an Lokalberichterstattung am stärksten am stärksten ausgeprägt. Lokalen Öffentlichkeiten kommt beim Phänomen der Skepsis gegenüber Journalismus und Politik eine besondere Bedeutung zu. Wie gestalten sich also die Einstellungen, Erwartungen, Selbstverständnisse und Rollenbilder der an lokalen und regionalen Öffentlichkeiten in einer so vielfältigen und zugleich problembehafteten Region wie dem Ruhrgebiet beteiligten Akteure und Publika? Mit dieser Frage befasst sich das Kooperationsprojekt der NRW School of Governance mit der Brost Stiftung: „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet: Die Gesprächsstörung zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten“. Ziel ist es, diese so zusammengesetzte Geschäftsgrundlage für die Kommunikation in der lokalen Demokratie des Ruhrgebiets nachzuzeichnen und aus entgegengesetzten Erwartungen resultierende Spannungen sowie Konfliktpotenziale zu identifizieren.

Der Themenschwerpunkt im wissenschaftlichen Online-Magazin regierungsforschung.de soll nicht nur Zwischenergebnissen dieses Projekts präsentieren, sondern auch als Forum für bereits bestehendes Wissen und Meinungen zum Verhältnis von Bürgern, Politik und Medien im Ruhrgebiet dienen.

Woanders is‘ auch scheiße! Perspektiven aus dem Ruhrgebiet: Die Krise politischer Öffentlichkeit

Jan Dinter untersucht zum Auftakt des Schwerpunktes „Bürger, Politik und Medien im Ruhrgebiet“ die Rolle der Medien in Zeiten der Vertrauens- und Glauwürdigkeitskrise, mit der eine neue Dimension des Verfalls der repräsentativen Demokratie erreicht zu sein scheint. Wie diese Krise im gesellschaftspolitischen Laboratorium Ruhrgebiet zum Ausdruck kommt und welche Merkmale das Revier ausmachen, kommen vor allem im Bewusstsein, dem Identitätsbewusstsein und dem Stolz der Region zum Ausdruck.

„Unsere Probleme sind moderner als anderswo die Lösungen“

Das vorliegende Essay entstand als Grußwort anlässlich der Kick-Off-Veranstaltung zum Projekt „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet: Die Gesprächsstörung zwischen Politikern, Bürgern und Journalisten“, das die NRW School of Governance in Kooperation mit der Brost-Stiftung durchführt. Nehmen Sie es als Beobachtungen eines Menschen, der auf allen beteiligten Seiten – Politik, Wirtschaft, Medien, Täter und Opfer – ausgiebige Erfahrungen gemacht hat.

 

Ansprechpartner

Dr. Kristina Weissenbach

Redakteurin von regierungsforschung.de
Tel.: +49 (0) 203/379 – 3742
Mail: kristina.weissenbach@uni-due.de

 

 

Jan Dinter, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Projekt „Kommunikationsstress im Ruhrgebiet“
Tel.: +49 (0) 203 379 4344
Mail. jan.dinter@uni-due.de