
Anahita Thoms u.a.
Zukunft im Widerspruch. Wie Deutschland sich jetzt neu erfinden muss.
Campus Verlag Frankfurt/New York 2024
403 Seiten
Das politische Ampel-Aus begingen viele Wählerinnen mit Sympathie. Das monatelange Ringen im Interessenausgleich um zentrale Probleme zermürbte die Akteure und die Öffentlichkeit. Eine Mehrheit für Entscheidungen war nicht mehr erkennbar. Aber einig waren sich alle: Anders sollte es weitergehen. Das galt nicht nur im Hinblick auf die Zusammensetzung einer kooperativ aufgestellten Bundesregierung, sondern auch als Aufforderung für Lösungen. Der Politikwechsel lag in der Luft: Entbürokratisierung, Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, Wehrhaftigkeit etc. Rhetorisch spielt das eine große Rolle, weniger an der Wahlurne. Denn die Sicherheitsdeutschen wählen keine Change Maker , wählen keine Veränderung. So ist in der Regel auch immer ein alter Koalitionspartner in der neuen Regierung mit dabei.
Doch die Aufgabenstellung für die Zukunft bleibt – unabhängig von der Zusammensetzung der Regierung. Dazu haben sich viele Autoren auf den Weg gemacht, um dies aus dem Blickwinkel des Frühjahrs 2024 zu beschreiben.
Das Buch Zukunft im Widerspruch. Wie Deutschland sich jetzt neu erfinden muss (Campus Verlag, 2024) ist eine Sammlung von Beiträgen renommierter Expertinnen, die sich mit den aktuellen Herausforderungen Deutschlands auseinandersetzen. Die Herausgeberinnen sind Anahita Thoms, Sebastian Dettmers, Gülsah Wilke, Fabian Kienbaum, Magdalena Oehl und Hauke Schwiezer.
Das Buch ist in drei Hauptkapitel unterteilt, die jeweils zentrale Themenbereiche behandeln:
- Geopolitik: Untersucht die Rolle Deutschlands in einer sich wandelnden globalen Ordnung.
- Arbeitsmarkt: Analysiert Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Arbeitsmodelle.
- Bildung: Diskutiert die Notwendigkeit von Reformen im Bildungssystem, um zukünftige Generationen auf kommende Anforderungen vorzubereiten.
Jedes Kapitel enthält Beiträge von Experten, die spezifische Aspekte des jeweiligen Themas beleuchten und konkrete Lösungsansätze vorschlagen.
Was kann man lernen?
Widersprüche als Chance: Das Buch betont, dass scheinbare Gegensätze—wie etwa zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Nachhaltigkeit oder zwischen technologischer Innovation und sozialer Gerechtigkeit—nicht zwangsläufig unvereinbar sind. Vielmehr können sie durch innovative Ansätze und Perspektivwechsel aufgelöst werden. Diese Sichtweise fordert traditionelle Denkmuster heraus und regt dazu an, komplexe Herausforderungen als Chancen für kreative Lösungen zu betrachten. Während diese Perspektive von einigen als inspirierend und zukunftsweisend empfunden wird, sehen andere darin eine Vereinfachung komplexer gesellschaftlicher Probleme. Kritikerinnen könnten argumentieren, dass die Auflösung tiefgreifender Widersprüche nicht immer durch neue Perspektiven allein möglich ist und strukturelle Veränderungen erfordert.
Aktive Gestaltung der Zukunft: Statt sich von der Komplexität der aktuellen „Polykrise“ lähmen zu lassen, ruft das Buch dazu auf, aktiv an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft mitzuwirken.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Die Vielfalt der Autoren aus verschiedenen Bereichen—darunter Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft—unterstreicht die Notwendigkeit einer gemeinsamen Anstrengung, um die Herausforderungen unserer Zeit auch interdisziplinär zu bewältigen.
Das Buch richtet sich an Unternehmer, Führungskräfte und alle, die an der Zukunft Deutschlands interessiert sind und bereit sind, sich mit komplexen Themen auseinanderzusetzen.
Ein Sachregister wäre sehr hilfreich gewesen. Denn es liegen eine Reihe von inhaltlichen Überschneidungen vor. Wer zum Beispiel konkrete Lösungsansätze zum Thema Bildung finden möchte, kann auch in dem Arbeitsmarktkapitel suchen.
Karl-Rudolf Korte
