Franz Stefan Gady: Die Rückkehr des Krieges. Warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen

Mit seinen vielen aktuellen Bezügen und historischen Beispielen sowie dem Szenario-Writing macht Gady die Lektüre seines Buches zu einem überaus spannenden und erhellenden Moment, findet Jürgen Turek, Inhaber der Turek Consultant und Senior-Fellow am Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Gady erklärt nicht nur, warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen, sondern sensibilisiert auch und zeigt Handlungsmöglichkeiten auf.

Der österreichische Militäranalyst Franz-Stefan Gady erklärt stringent und klar, warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen. Dabei pflegt er einen eurozentrischen Blick auf das Verhältnis Deutschlands und der NATO zu Russland, ohne die sich zuspitzenden Konfliktherde im Nahen Osten oder in Südostasien aus den Augen zu verlieren. So wie andere Experten auch vermittelt er uns die Einsicht, dass die Hoffnungen auf eine nachhaltige europäische Friedensordnung nach dem Fall der Mauer 1989 eine naive Illusion geworden sind, von der sich breite Teile der politischen Eliten und der Öffentlichkeit schmerzhaft zu verabschieden haben.

Franz Stefan Gady: Die Rückkehr des Krieges. Warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen

Quadriga, Berlin, 2024, 365 Seiten, ISBN 978-3-86995-142-3, 24,00 Euro

Autor

Jürgen Turek, M. A., ist Inhaber der Turek Consultant in München und Senior Fellow am Centrum für angewandte Politikforschung (C•A•P) der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der österreichische Militäranalyst Franz-Stefan Gady erklärt stringent und klar, warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen. Dabei pflegt er einen eurozentrischen Blick auf das Verhältnis Deutschlands und der NATO zu Russland, ohne die sich zuspitzenden Konfliktherde im Nahen Osten oder in Südostasien aus den Augen zu verlieren. So wie andere Experten auch vermittelt er uns die Einsicht, dass die Hoffnungen auf eine nachhaltige europäische Friedensordnung nach dem Fall der Mauer 1989 eine naive Illusion geworden sind, von der sich breite Teile der politischen Eliten und der Öffentlichkeit schmerzhaft zu verabschieden haben. Mit anderen Worten: „die friedliche Entwicklung nach 1945 verdankt sich letztlich amerikanischen, nuklearen und konventionellen Waffen und einer von den USA formulierten strategischen Abschreckungspolitik, …, (die) Europa ohne heißen Krieg durch die Jahre des kalten Krieges brachte. Nach dessen Ende suchten wir Europäer im Schatten der amerikanischen militärischen Hegemonie Schutz, um ungestört das Friedensprojekt – die Europäische Union (EU) – zu vertiefen und zu erweitern. Diese Zeit … ist jedoch vorbei“ (S.18).

Die Logik der Abschreckung reüssiert

Die im Vorfeld durch fachlich versierte und öffentlich hoch anerkannte Kollegen wie dem Münchner Politikwissenschaftler Carlo Masala oder Bastian Giegerich vom International Institute for Strategic Studies (IISS) in London vorzüglich beleumundete Publikation konzentriert sich auf das Wesen des Krieges und fragt danach, wie sich im Kern zukünftig militärische Konflikte vermeiden oder durchhalten lassen können. Das Aufgreifen dieser Fragestellung ist aktuell und elementar. Denn die Kriege in der Ukraine und in Nahost sind Symptome einer sich seit Jahrzehnten anbahnenden Entwicklung, in der Terror und militärische Konfrontationen zunehmend wieder als legitimes und Erfolg versprechendes Mittel zur Fortsetzung der Politik betrachtet werden. Ohne ein Konzept der militärischen Abschreckung geht es deshalb nicht und dekliniert Gady folgerichtig die Abschreckung solcher Intentionen durch. Damit reiht sich Gady in die Schule der abschreckungspolitischen Denker, wie früher Raymond Aron ((Raymond Aron, Frieden und Krieg. Eine Theorie der Staatenwelt, Paris 1963.)), André Glucksman ((André Glucksmann: Philosophie der Abschreckung, Stuttgart 1984.)), Helmut Schmidt ((Helmut Schmidt: Verteidigung oder Vergeltung, Stuttgart 1961.)) oder Henry Kissinger ((Henry Kissinger: Weltordnung, Stuttgart 2016.)), ein. Diese profilierten sich in den Zeiten des Kalten Krieges als harte „Realpolitiker“, oft gegen den erbitterten Widerstand eines blauäugigen Pazifismus und der idealistischen Vorstellung vom Ende des Krieges als Mittel der Politik. Der Militäranalyst Gady betont die Notwendigkeit dieses Denkens erneut und bezieht das Motto des preußischen Generals und Militärhistorikers Carl von Clausewitz dediziert mit ein: Wenn Du den Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor. Die sicherheits- und verteidigungspolitische Realität verlangt in diesem Sinne eine angepasste Verhaltensweise, was die Mittel der Diplomatie keineswegs diskreditieren soll. Folgt man der Prämisse von Thomas Hobbes „Homo homini lupus“, so erkennt man die potenzielle Gewaltnatur des Menschen und ihre turbulenten Auswüchse im Rahmen von zwischenstaatlichen Beziehungen an. Der „Mensch ist des Menschen Wolf“ – nimmt man diese anthropologische Tatsache als solche hin, sind Abschreckungsstrukturen unvermeidbar. Dies gilt besonders dann, wenn ein friedliches staatliches Miteinander und das Ausräumen von Konfliktthemen mittels der Politik und Diplomatie nicht mehr möglich sind. Er schreibt: „Das Potenzial für Krieg wird es leider geben, solange es die Menschheit geben wird“ (S.340). Dies führt Gady im Kern angesichts der aggressiven Politiken von Russland und China ins Feld. Für blauäugiges Wünschen oder einen parasitären Pazifismus ist hier kein Platz.

Strategie und Taktik der neuen Abschreckung

Vor diesem Hintergrund erläutert der Autor, warum wir uns in einem Zeitalter der Fehleinschätzungen befinden, die Kriege wieder wahrscheinlicher machen. Angelehnt an von Clausewitz, untersucht er einzelne Faktoren, die den Krieg bestimmen und die Kriegsführung beeinflussen. Es folgen Kriegsszenarien, die für Europa und den Westen relevant sind und er sensibilisiert uns dafür, dass sich die Streitkräfte des Westens auf militärische Auseinandersetzungen vorbereiten sollten. Gady klärt den Leser hinsichtlich der geografischen, materiellen, logistischen und kulturellen Grundlagen eines Kriegs auf und wendet diese systemische Empathie auf die verteidigungspolitische Situation der Nato in Europa an. Demnach ist kein Krieg ein Unfall oder ein unvorhersehbares Ereignis, auch keine schlafwandlerische Eskapade, sondern politisch gewollt und reflektiert. Jeder Krieg ist also Resultat von Politik, er ist pure Gewalt und ein erbarmungsloser Wettbewerb des Willens. Er ist dialektisch, d.h. im Zeitverlauf durch sich gegenseitig bedingende Entwicklungen geprägt und im Ergebnis spielt der Zufall eine nicht unerhebliche Rolle.  Kriegsführung ist beeinflusst durch militärische und strategische Kultur, durch Doktrin und die Struktur und das Design der Streitkräfte, durch Domänen und Ressourcen und heute vor allem auch durch Technologie, wobei der Künstlichen Intelligenz (KI) und dem Weltraum in Zukunft eine wichtige Bedeutung zukommen werden. Jede Kriegsführung umfasst eine situative, operative und strategische Ebene, die ineinandergreifen. Derjenige, der die Wechselwirkungen des Kriegsverlaufs rasch versteht und dementsprechend auf diesen Ebenen gleichzeitig und flexibel agiert, kann einen Feldzug wahrscheinlich eher gewinnen kann als jemand, der innerhalb von starren Befehlsstrukturen verhaftet ist. Letzterer erweist sich als wenig flexibel in der Handhabung seiner Streitkräftestruktur angesichts der sich rasch wandelnden Faktoren der Kriegsführung. Gady greift hierbei immer wieder auch auf militärische Situationen im Krieg zwischen der Ukraine und Russland zurück. Mit diesen Beispielen illustriert er eindrucksvoll, wie sich die alten sowjetischen Befehlsstrukturen und Verhaltensweisen, die immer noch die DNA der russischen Armee prägen, in dieser Auseinandersetzung als wenig effektiv erweisen.

Mit diesem militärtechnischen, -historischen und -politischen Seminar wird deutlich, dass die NATO für den Fall russischer Aggressionen schlecht vorbereitet ist. Ohne Amerika funktioniert eine effektive Verteidigung Europas nicht, vor allem dann, wenn die Vereinigten Staaten in einen Zweifrontenkrieg gegen Russland und China verwickelt würden. Der Bundesrepublik kommt eine militärische Schlüsselrolle in Europa zu, da sie geografisch zusammen mit Polen an der Nahtstelle eines Konfliktes mit Russland und Belarus agieren muss und sowohl logistisch, taktisch als auch strategisch bedeutsame Funktionen im Bündnis zu erfüllen hat. Die Bundeswehr ist allerdings nicht wehrfähig genug, um die ihr zugewiesene Aufgabe zu erfüllen. Nach Franz-Stefan Gady wird es Jahre dauern, um eine adäquate Wehrfähigkeit ((Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius spricht hier sogar noch klarer von einer Kriegstüchtigkeit.)) zu etablieren. Zudem erfordert es enorme Anstrengungen, um einen Wechsel in der Verteidigungskultur des Landes zu erlangen, die neben anderen Faktoren unabdingbar ist, um einen Abwehrkrieg zu führen und durchzuhalten. Diese Lage ist angesichts der wachsenden Wahrscheinlichkeit militärischer Konfrontationen in Europa ernst. Worauf also haben sich der Kontinent und insbesondere auch Deutschland einzustellen? Gady formuliert die Erwartung, dass Kabinettskriege wieder reüssierten. Außerdem plant er in seinen Konflikterwartungen auch einen Krieg der NATO mit Russland ein, in dem die USA durch eine militärische Konfrontation zwischen China und Taiwan bündnispolitisch zusätzlich gebunden sind. Hierbei arbeitet er mit einem „Kleines-Fait-Accompli-Szenario“ (A) und einem „Großes-Fait-Accompli-Szenario“ (B), die sehr anschaulich für eine mögliche Auseinandersetzung mit Vladimir Putins Imperialismus sind.

Szenario A geht von einem schnellen Angriff mehrerer tausend Soldaten auf Litauen aus. Die Stadt Vilnius soll in einem Fait accompli rasch eingenommen werden und die NATO vor vollendete Tatsachen stellen. Das nordatlantische Bündnis solle keine Zeit zum Aufbau strategischer Abwehrkapazitäten haben und mehrere russische Großverbände würden an den Grenzen zu Lettland und Estland sowie in der Enklave Kaliningrad und in Weißrussland stehen, um spontane Angriffe der NATO abzuwehren. Die russischen Angriffskräfte würden dabei ihre volle Feuerkraft aufbieten und versuchen, die Suwalki-Lücke an der litauisch-polnischen Grenze unter ihre Kontrolle zu bringen.  Die Suwalki-Lücke bezeichnet den nach der polnischen Stadt Suwalki benannten 65 Kilometer breiten Landstreifen, der sich von der russischen Enklave Kaliningrad bis zur weißrussischen Grenze zieht und die einzige Landverbindung der baltischen Staaten mit den NATO-Verbündeten darstellt. Das strategische Ziel Russlands bestünde hierbei darin, die Stadt Vilnius als Geisel zu nehmen, um unter Androhung des Einsatzes von taktischen Nuklearwaffen die NATO praktisch über Nacht zur Einstellung des Kampfes zu zwingen. Das eigentliche Ziel wäre also nicht ein territorialer Gewinn, sondern die psychologische Zerstörung des Bündnisses an sich, indem man es in einer militärischen Krise als schwach und wehrlos diskreditiert. NATO-Planer sprechen hier von einer „Eskalation zur Deeskalation“. Sie besagt, dass Russland zu Beginn eines Konfliktes ‚kleine‘ taktische Atomwaffen einsetzen könnte. Ziel wäre es, auf dem Gefechtsfeld rasch Gewinne erzielen zu können und anschließend die NATO zur Einstellung der Kampfhandlungen zu zwingen. Die zugrunde liegende Annahme wäre, dass die NATO weder willens wäre, selbst nuklear zu eskalieren, noch ausreichende militärischen Kapazitäten hätte, um einen solchen Angriff abzuwehren. Lediglich nukleare ballistische Kurzstreckenraketen stünden zur Verfügung, während Russland den Angriff aus dem eigenen Mutterland decken könnte.

Szenario B ist komplexer: Es wäre ein groß angelegter Angriff auf die drei baltischen Staaten gleichzeitig mit mehreren hunderttausend Militärs und tausenden von Fahrzeugen, bei der es rasch darum gehen würde, die Suwalki-Lücke sofort zu schließen. Die russische Luftwaffe und Marine wären hier in großem Maße inkorporiert und der Krieg würde auch unkonventionelle Handlungen wie den Cyberwar oder Sabotage integrieren. Russland könnte sich hier auf einen gewaltigen Abnutzungskrieg mit der NATO einlassen und darauf hoffen, dass Europa und die USA wegen der hohen Verluste an Menschen und Material klein beigeben. Das Endziel wäre das Gleiche wie in Szenario A: Die de-facto-Zerschlagung der NATO und der Verlust an Glaubwürdigkeit der USA unter ihren europäischen Verbündeten. Die nichtnukleare Dimension macht dieses Szenario wahrscheinlicher, da es nicht auf nuklearer Eskalation, sondern auf Abnutzung und Zermürbung beruht.

Beide Szenarios haben unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten und Erfolgsaussichten. Es ist fraglich, ob Russland die Fähigkeiten für Szenario A aufbringen könnte; im Ukraine Krieg bewältigten sie den fait accompli nicht. Ob ein baltisches Eskalation-zur-Deeskalation-Szenario die russischen Absichten und militärischen Fähigkeiten realistisch widerspiegelt, bleibe eine offene Frage. Auch Szenario B stehe unter diesem Vorbehalt. Es ist auch nicht evident, dass die NATO sich schnell ergeben oder auf den Einsatz taktischer Atomwaffen verzichten würde. Bei beiden Szenarios könnte sich China als Wild-Card erweisen, nämlich dann, wenn das Reich der Mitte Taiwan angreift und die USA in einen Zweifrontenkrieg zwingt. Für beides reichen nach Auffassung von Franz Stefan Gady die amerikanischen Kapazitäten nicht aus. Damit aber steht die Rolle der amerikanischen Streitkräfte als Integrator auf dem Spiel. Deutschland, Frankreich oder Polen können diese nicht ersetzen. Europa würde dementsprechend Mühe haben, größere militärische Operationen zu planen und durchzuführen. Ohne den Integrator aber drohe das ganze europäische Verteidigungskonstrukt zu kollabieren.

Neue politische Realitäten, notwendige strategische Anpassungen

Mit seinen vielen aktuellen Bezügen und historischen Beispielen sowie dem Szenario-Writing macht Gady die Lektüre seines Buches zu einem überaus spannenden und erhellenden Moment. Damit werden sowohl die Wucht und die Unkalkulierbarkeit eines Krieges präziser deutlich als auch seine bestialische Gewalt und die zuweilen zufälligen Umstände von Sieg oder Niederlage. Er verdeutlicht, was für Europa und den Westen auf dem Spiel steht und er verlangt von der NATO nicht mehr und nicht weniger als ein untereinander abgestimmtes, an Klarheit nicht zu überbietendes sicherheits- und verteidigungspolitisches Konzept, das im Zweifel auch ohne großartige Unterstützung seitens der USA im Verteidigungsfall greift. Im Zeitalter des Ost-West-Konflikts war dieses Konzept früher einmal die Strategie der flexiblen Reaktion (Flexible Response). Angesichts der Bemühungen um eine friedliche Koexistenz im Rahmen einer europäischen Friedensordnung wurde dieses Konzept nach dem Mauerfall eliminiert. Die neue Strategie setzte auf die Triade von Dialog, Kooperation und Erhaltung der Verteidigungsfähigkeit und löste die Konzeption der Flexible Response vor dem Hintergrund der im Helsinki-Prozess abgeschlossenen Abrüstungs- und Rüstungskontrollverträge ab. ((Von denen der Vertrag über konventionelle Streitkräfte (KSE-Vertrag) neben den Vereinbarungen zur Reduzierung von Nuklearwaffen in Europa besonders wichtig war. Er führte zu einer Abrüstung von über 50.000 konventionellen Waffensystemen in Europa.)) Nach dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und aufgrund der zunehmenden chinesischen Aggressivität gegenüber Taiwan und den Anrainerstaaten des südchinesischen Meeres stellt sich die Frage einer differenzierten westlichen Abschreckungsstrategie neu. Dies bezieht eine europäische strategische Komponente explizit mit ein. Franz-Stefan Gady zeigt hierfür die Notwendigkeit und Handlungsmöglichkeiten auf. Und er sensibilisiert, was vielleicht die wichtigste Funktion dieses überaus lesenswerten Buches ist. Das Thema Krieg ist spätestens seit Februar 2022 unweigerlich auf der europäischen Agenda angekommen und nach der zweiten Wahl von Donald Trump ins Weiße Haus ist die Frage der genauen amerikanischen Solidarität im Bündnisfall ungewisser denn je. Die NATO-Beitritte von Schweden und Finnland auf staatlicher Ebene, der Aufbau einer deutschen Brigade in Litauen auf strategischer Ebene und die Beschaffungs- und Modernisierungspläne der Streitkräfte aller europäischen Staaten sind für den Augenblick wichtige Zeichen an die russische Führung, dass der Verteidigungswille in Europa wächst. Darüber hinaus ist der Krieg in der Ukraine ein Lackmustest dafür, ob ein geeinter Westen es schafft, Krieg in naher Zukunft nicht nur auf dem alten Kontinent, sondern auch in anderen Weltregionen vorzubeugen. Für Franz-Stefan Gady liegt es vor allem an Europa, ob andere autokratischen Herrscher den Krieg in der Ukraine als Blaupause sehen, um ihre Machtansprüche zu verwirklichen. Dies hänge hauptsächlich von der politischen und militärischen Durchhaltefähigkeit des Westens ab, die signalisiert, inwieweit man bereit ist, die Idee einer wertebasierten liberalen Weltordnung notfalls mit der Waffe auch in einem länger andauernden Zermürbungskrieg zu verteidigen. Wir müssten daher wieder die Durchhaltefähigkeit in europäischen Streitkräften, aber auch in der Gesamtbevölkerung Europas stärken. Deutschland komme hierbei eine besondere Rolle im Rahmen der europäischen Sicherheitspolitik zu. Nicht nur die Bundeswehr, sondern die deutsche Gesellschaft als Ganzes müsse kriegstüchtiger werden. Und natürlich dürfe die Diplomatie und der Dialog mit dem Gegner nie außer Acht gelassen werden. Nur mit dieser Kombination lasse sich nach Gady ein zukünftiger Krieg vermeiden (S. 344). Dem ist aus Sicht des Rezensenten nichts hinzuzufügen.

Zitationshinweis:

Turek, Jürgen (2024): Franz-Stefan Gady: Die Rückkehr des Krieges. Warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen, Rezension. Erschienen auf: regierungsforschung.de. Online Verfügbar: https://regierungsforschung.de/franz-stefan-gady-die-rueckkehr-des-krieges-warum-wir-wieder-lernen-muessen-mit-krieg-umzugehen/
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