Das Handwerk der Sprache der Politik


Das Buch The Speechwriter von Barton Swaim erschien im Juli 2015 in den USA und zog vor allem mediale Aufmerksamkeit auf sich, weil es vertiefte Einblicke in den Skandal um den Gouverneur von South Carolina, Mark Sanford, im Jahr 2009 versprach. Sanford war damals für einige Tage vollständig von der Bildfläche verschwunden, weder die Administration noch seine Familie wussten, wo er sich aufhielt. Als herauskam, dass er sich in dieser Zeit heimlich bei einer Geliebten in Argentinien befunden hatte, folgte nicht nur die Scheidung von seiner Frau sowie das Ende aller Spekulationen zu einer Karriere auf nationaler Ebene, auch der Rest seiner Amtszeit blieb von der Affäre überschattet.

Was dieses Buch darüber hinaus interessant macht, hat Niko Switek in seiner Rezension herausgefunden und kann das Werk von Barton Swaim wärmstens weiterempfehlen. (mehr …)

Die Freien Demokraten (FDP) – Aus der APO in die Regierung?

2016 und 2017 sind zwei wichtige Wahljahre für die FDP und ihren Bundesvorsitzenden Christian Lindner. Nachdem die FDP 2013 erstmals in ihrer Parteigeschichte knapp an der 5 %-Hürde scheiterte und ein Wiedereinzug in den Bundestag misslang, wurden bereits erste Totengesänge auf die liberale Partei gesungen. Diese sind inzwischen wieder verstummt. Derzeitige Umfragen sehen die FDP in allen Bundesländern als möglichen Partner von Dreierkoalitionen.

Doch welche Auswirkungen hätte eine Regierungsbeteiligung für die FDP? Gibt es bereits Erfahrungen, welche die FDP machte „aus der APO (Außerparlamentarischen Opposition) in die Regierung? Diese Fragen haben Lucas Constantin Wurthmann und Maximilian Schmelzer in ihrem Student Paper beantwortet. (mehr …)

Willkommen im fluiden Fünfparteiensystem: Über Sinn und Unsinn von Koalitionsaussagen

Nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt hält die AfD dort und in fünf weiteren Landtagen nunmehr 43 Mandate. Nach dem großen Erfolg für die AfD haben jedoch alle in den Landtagen vertretenen Parteien Koalitionen mit der AfD kategorisch ausgeschlossen. Im Vorfeld der Wahlen ließen mögliche Koalitionssignale der Parteien den Schluss zu, dass die tradierten Regeln der Koalitionsbildung auch in einem Parteiensystem mit einer zweistelligen AfD gelten würde.

Spätestens seit den Landtagswahlen im März 2016 scheinen traditionelle Lagerkoalitionen nicht mehr die Regel zu sein und sichere Mehrheitsverhältnisse sind immer unübersichtlicher und unvorhersehbarer geworden. Angesichts der neuen Lage im Parteiensystem hat Dr. Stefan Thierse über den Sinn und Unsinn von Koalitionsaussagen und Koalitionssignalen nachgedacht. (mehr …)

Ein Wahlkampf mit überraschenden Wendungen – Beobachtungen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz vom 13. März 2016


Rheinland-Pfalz war bis zum vergangenen Wahlsonntag ein Solitär unter den deutschen Ländern, da nirgendwo sonst lediglich drei Parteien im Landtag vertreten waren. Auf die jahrzehntelange Dominanz der CDU folgte Anfang der 1990er Jahre eine fast 25jährige Vorherrschaft der SPD im Bindestrich-Land. Mit diesen übersichtlichen Verhältnissen ist es erst einmal vorbei. Schon im Herbst 2015 hatte sich abgezeichnet, dass es im folgenden Frühjahr in Rheinland-Pfalz wie auch in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt zu Ausnahmewahlen kommen könnte.

Landespolitische Themen traten angesichts der Flüchtlingskrise und damit zusammenhängender Problemlagen vollkommen in den Hintergrund. Die Kampagnenstrategien der Parteien wurden zusätzlich dadurch herausgefordert, dass eine Profiteurin dieser Entwicklung bald feststand: Die AfD, die nach der Abspaltung des Lucke-Flügels im Niedergang begriffen schien, profitierte zunehmend von der Stimmung gegen Fremde.
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Landtagswahlen als Feste der Demokratie

Flüchtlinge haben die Landtagswahlen vom Wochenende entschieden. Die Flüchtlingspolitik markiert 2016 die Machtfrage im Parteienwettbewerb. Alle drei Amtsinhaber wurden in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt als Ministerpräsidenten bestätigt, weil sie souveräne Zukunftskompetenz angesichts epochaler Herausforderungen – mehr oder weniger – ausgestrahlt haben. Das ist extrem ungewöhnlich in Zeiten des Ereignisgewitters.

Karl-Rudolf Korte zieht kurz nach den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt eine erste Bilanz. Er wirft unter anderem einen Blick auf die Flüchtlingspolitik als dominierendes Wahlkampfthema, das paradoxe Wahlverhalten und liefert erste Einschätzungen zu möglichen Koalitionen und der neuen Rolle der AfD. (mehr …)

Asylkompromiss im Bundesrat – Das Dilemma des Winfried Kretschmann


Die Flüchtlingspolitik des Bundes und deren Auswirkung auf die Landes- und Kommunalpolitik scheint die anstehenden Landtagswahlen im März 2016 zu dominieren. Nach den Landtagswahlen dürfte die Entscheidung, die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären, auf die Agenda des Bundesrates rücken. Spekulationen machen die Runde, dass die SPD die Grünen vor einer solchen Entscheidung schonen wollte – schließlich möchte die SPD in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg eine Regierung mit den Grünen bilden. Nicht zum ersten Mal ist die Ausweisung von sicheren Herkunftsstaaten ein Politikum.


In Baden-Württemberg hält der erste grüne Ministerpräsident in der Geschichte der BRD, Winfried Kretschmann, an seinem Kurs fest: er versucht humanitäre Bedenken mit finanziellen Nöten der Kommunen zu vereinen. Schon in der Vergangenheit stand seine politische Haltung unter diesem Leitstern – nicht immer kritiklos, vor allem in seiner eigenen Partei. Die Falldarstellung zum Asylkompromiss aus dem September 2014 beleuchtet diesen politischen Prozess.

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Vertrauen generieren in Krisenzeiten: Politikmanagement und Kommunikationsstrategien der Bundeskanzlerin in der Euro- und Flüchtlingskrise

Kommunikation gilt innerhalb der politischen Sphäre als das entscheidende Strukturelement. Problemartikulation und Entscheidung sind ohne politische Kommunikation nicht denkbar. Da dies das zentrale Handlungsfeld staatlicher Exekutive darstellt, ist ein Regierungschef im Besonderen kommunikationsabhängig.  

Politische Intentionen kann Bundeskanzlerin Angela Merkel folglich nur dann realisieren, wenn es ihr gelingt, Mehrheiten mittels Kommunikation zu organisieren. Sie ist somit gezwungen, durch den strategischen Einsatz kommunikativer Mittel eine Vertrauensbeziehung zu aktivieren. Erst dann kann sie erfolgreich gestalten. Doch in den letzten Monaten stieß sie auch in den eigenen Reihen zunehmend auf Kritik. Hat die Kanzlerin etwa ein Kommunikationsproblem?
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Dreiklang, Zweiklang, Einklang? Die politische Klaviatur der Bildungsfinanzierung


Image und Personalisierung können in der Politik als Machtressourcen gelten. Dem Aufbau und der Pflege von positiven Zuschreibungen kommt auch für die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) große Bedeutung zu. Sie inszenierte sich neben der „Klimakanzlerin“ als „Krisenkanzlerin“ und genießt seit 2008 zudem den Ruf als „Bildungskanzlerin“.


Mit Blick auf die Bundestagswahl 2009 nutzte Merkel die Chance, sich und die von ihr geführte Union auf dem Feld der Bildungspolitik zu profilieren. Auf dem von ihr initiierten Bildungsgipfel im Jahr 2008 – der erste seiner Art – gaben Bund und Länder in einer Absichtserklärung bekannt, die Ausgaben für Bildung bis 2015 von ehemals 8,9 Prozent auf 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu steigern.

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Wählen im Schatten der Angst

Demokratien sind angstfrei. Politiker haben die Aufgabe, den Bürgern die Angst zu nehmen. Staatliche Politik zeichnet sich dadurch aus, dass sie wichtige Probleme der Bürger löst. Daran zweifeln im Moment viele. Angst und Unsicherheiten breiten sich deshalb aus. Einige Politiker versuchen wiederum mit dieser Bürger-Angst in den Wahlkämpfen zu mobilisieren.

Karl-Rudolf Korte hat sich mit den Wahlen im Schatten der Angst auseinandergesetzt und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Die Politik steht in der Verantwortung und wird im rheinland-pfälzischen Wahlkampf mit einer schwierigen Aufgabe konfrontiert. (mehr …)

Schwarz-Grün in Hessen: Warmlaufen für den Bund?

Die schwarz-grüne Koalition in Hessen ist das erste Bündnis von CDU und Grünen in einem deutschen Flächenland und sie regiert auch in ihrem zweiten Jahr erstaunlich konflikt- und reibungslos.

Selbst die in den letzten Monaten dominierenden Debatten über Asyl- und Flüchtlingspolitik haben die ungleichen Partner bislang nicht erkennbar aus der Bahn geworfen. Zeichnet sich in Hessen ein neues Koalitionsmodell ab, dass Vorbildcharakter für die Bundesebene haben könnte? (mehr …)