Politische Kommunikation im Wahljahr 2017: Fame-Avoidance als Defekt der Politikvermittlung überwinden!

Das Jahr 2016 wurde innenpolitisch eingerahmt vom Erschrecken über die Geschehnisse der Silvesternacht von Köln im Januar und dem Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember. Die strittige Suche danach, welche politischen Antworten auf die angestiegene Zuwanderung richtig sind, prägt den Parteienwettbewerb und ändert dessen Gestalt.

Welches Fazit kann aus Sicht der politischen Kommunikation mit Blick auf „Merkels Flüchtlingspolitik“ für das Jahr 2016 gezogen werden? Prof. Dr. Andreas Blätte sieht vor allem das Syndrom der Fame-Avoidance in der Politikvermittlung als Grund für Komplikationen im Parteienwettbewerb. Wie er zu dem Schluss kommt und was dies für das Jahr 2017 bedeutet, legt er in seinem meinungsstarken Essay dar.
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Der Erfurter Königsmacher – Die SPD und die Frage der Regierungsbildung nach der Thüringer Landtagswahl 2014


Am 3. November 2013 strahlte die ARD erstmals einen „Tatort“-Krimi aus der thüringischen Hauptstadt Erfurt aus. Das „Erfurter Trio“ untersuchte den Mord an einer Studentin, bei dem zu- nächst ein bekannter Triebtäter verdächtigt wird, sich jedoch die Tat als Eifersuchtsakt einer Kommilitonin herausstellte.


Spannend war nun die Frage, ob das politische Erfurt rund 10 Monate später ebenfalls personelle Opfer erleben würde: Zum ersten Mal überhaupt bestand – so das Er- gebnis repräsentativer Meinungsumfragen – die realistische Möglichkeit, dass mit Bodo Ramelow ein Politiker der Linkspartei an der Spitze einer Landesregierung stehen könnte.

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Volker Best: Koalitionssignale bei Landtagswahlen. Eine empirische Analyse von 1990 bis 2012.

Ohne Zweifel ist der Band von Volker Best eine lesenswerte Erörterung des Themas „Koalitionssignale bei Landtagswahlen“ und bietet dem interessierten Koalitionsforscher wichtige Erkenntnisse bezüglich des Koalitionssignals als einem zentralen Element im Prozess der Bildung von Regierungskoalitionen.

Darüber hinaus rät Dr. Niko Switek in seiner Rezension, dass auch die Verantwortlichen in den Parteien das Buch zu raten ziehen könnten, um bei der Ausgestaltung ihrer Koalitionsaussagen in einem unübersichtlichen Sechsparteiensystem unnötige Stolperfallen zu vermeiden. Und schließlich hält die Analyse selbst für den zweifelnden Wähler in der Wahlkabine Trost bereit: Meistens machen die Parteien tatsächlich das, was sie vor der Wahl angekündigt haben (zumindest bei der Regierungsbildung). (mehr …)

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“ Die Causa Böhmermann – Von Satire zum Politikum


15. April 2016 – auf der Bundespressekonferenz trat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor die versammelte Presse um zu erklären, dass sie die Ermächtigung zur Ermittlung gegen den Satiriker Jan Böhmermann erteilen wird.


Die Türkei sei ein verlässlicher und wichtiger Partner der Bundesrepublik, deren Anliegen dementsprechend geachtet werden müssten. Gleichzeitig werde die Bundesregierung jedoch weiterhin die Presse- und Meinungsfreiheit verteidigen. Für einen Moment schien es, dass etwas miteinander Unvereinbares unter einen Hut gepresst werden sollte.

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Regierungsbildung unter Trump und der Presidential Transition Act

Bislang dominiert in der Berichterstattung über die Transition of Power, die Übergangsphase zwischen zwei Präsidentschaften, das Erstaunen und bisweilen das Entsetzen über die geplante Zusammensetzung des Teams, mit dem president-elect Donald Trump die Arbeit im Weißen Haus aufnehmen will.

Doch wie läuft diese Übergangsphase im Detail ab? Wie ist der aktuelle Stand der Dinge im Team des president-elect Donald Trump und wie hoch ist das Konfliktpotential im aktuellen Amtseinführungsprozess? Prof. Dr. Christoph Bieber findet in seinem aktuellen Essay Antworten auf diese Fragen.
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Welche Wirklichkeit messen wir? Über Lehren aus der US-Präsidentschaftswahl und Koalitionen der Empörten

Erst seit ein paar Tagen steht fest: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit so einem eindeutigen Sieg hatten im vornherein weder Wahlforscher noch Demoskopen gerechnet. Ein Sieg Hillary Clintons schien sicher zu sein.

Historische Ereignisse wie diese ziehen aber nicht nur Konsequenzen für die politischen Machtzentren in den USA mit sich sondern haben auch Einfluss auf politische Systeme außerhalb Nordamerikas. Vor welchen Herausforderungen stehen die amerikanischen Parteien? Was bedeutet die Wahl von Donald Trump für den deutschen Parteienwettbewerb? Karl-Rudolf Korte gibt in seinem Beitrag erste Einschätzungen. (mehr …)

Robert Ranisch/ Sebastian Schuol/ Marcus Rockoff: Selbstgestaltung des Menschen durch Biotechniken


Der Band „Selbstgestaltung des Menschen durch Biotechniken“ von Robert Ranisch, Sebastian Schuol und Marcus Rockoff stellt das Desiderat des gleichnamigen – von 2003 bis 2014 währenden – ­­­Graduiertenkollegs an der Universität zu Tübingen dar. Die hier versammelten Aufsätze dokumentieren die Ergebnisse des Kollegs.

Der Titel ist bewusst offengehalten: Die Selbstgestaltung wird sowohl am einzelnen Individuum (etwa durch „Enhancements wie dem Hirndoping) oder der menschlichen Spezies als Ganzes (etwa der Klonierung) dargestellt. Das ist ein thematisches Wagnis, werden damit doch völlig unterschiedliche Techniken und Zielsetzungen der Selbstgestaltung reflektiert.  (mehr …)

Deutschland im Ministerrat – Bestimmen deutsche Interessen die Europapolitik?

Gabi Zimmer ist es. Manfred Weber ist es. Rebecca Harms und Martin Schulz sind es ebenfalls. Die meisten würden vermutlich auch ohne europapolitisches Wissen hier richtig raten: Die genannten Personen sind Deutsche. Und sie haben EU Spitzenpositionen inne. Allen voran Martin Schulz als Präsident des Europäischen Parlaments. Eingliedern in die Reihe erfolgreicher Deutschen kann sich auch Kanzlerin Angela Merkel, die sich derzeit kaum von einer hauptberuflichen Europapolitikerin unterscheiden lässt.

An dieser Stelle drängt sich für Lisa Brose die Frage auf, ob diese scheinbare Machtstellung deutscher Politikervertreter in Europa tatsächlich auf messbarem politischen Erfolg basiert. Die Fakten zeigen deutlich, dass Deutschland im Rat der EU in den analysierten Politikfeldern Beschäftigungs- & Sozialpolitik, Wirtschaft & Finanzen sowie Justiz & Inneres überdurchschnittlich oft von der Mehrheit überstimmt wird. (mehr …)

Transparenz- und Lobbyregister in NRW aus vergleichender Perspektive

Der Landtag NRW befasst sich aktuell mit dem Thema Transparenz- und Lobbyregister. Allgemein lässt sich festhalten, dass die politische und wissenschaftliche Debatte zu diesem Thema national wie international weit fortgeschritten ist. Es existieren gemeinsam erarbeite Standards sowie ausgearbeitete Vorschläge aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und von politischer Seite. Die Besonderheit der deutschen Debatte ist, dass darauf aber kaum Bezug genommen wird. Deutschland liegt im internationalen Vergleich im niedrig regulierten Bereich.

Maximilian Schiffers orientiert sich in seinem Beitrag an der Leitfrage, welche Qualitätsmerkmale und Praxiserfahrungen den gegenwärtigen, international-vergleichenden Stand der Transparenz- und Lobbying-Regulierung auszeichnen. Dazu skizziert er zunächst die Strukturen und der Kontext von Lobbying im politischen Prozess und gibt eine Übersicht der Praxiserfahrungen aus international-vergleichender Perspektive. Abschließend formuliert er Zielvorschläge der Lobbying-Regulierung für NRW, die aus politikwissenschaftlicher Perspektive besonders relevant sind. (mehr …)

Chinesische Perspektive auf die Flüchtlingskrise: „Chaos“ in Europa?

Spannungen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und die Verhärtung der Positionen hinsichtlich der Ausgestaltung der europäischen Flüchtlings- und Migrationspolitik verdeutlichen, so chinesische Analysten, dass die sogenannte Flüchtlingskrise das Potential birgt, das nach Ende des Zweiten Weltkriegs angelegte europäische Integrations- und Friedensmodell zu einem unverhofft jähen Ende finden zu lassen. Insbesondere die Landtagswahlen 2016 in Deutschland werden als Anzeichen für einen politischen Umbruch in Europa bewertet. Unerwartete Kursänderungen Europas aber bergen Planungsunsicherheiten für die chinesische Seite.

Diejenigen chinesischen Analysten, die schon seit Jahren davon ausgehen, daß das europäische Integrationsmodell nicht realisierbar und ein Auseinanderbrechen in Teilsysteme unvermeidbar sei, sehen sich mit ihren düsteren Szenarien bestätigt. Dieser Beitrag von Nele Noesselt ist eine Vorabveröffentlichung aus dem Band „Regieren in der Einwanderungsgesellschaft. Impulse zur Integrationsdebatte aus Sicht der Regierungsforschung“ (Hrsg. Christoph Bieber, Andreas Blätte, Karl-Rudolf Korte, Niko Switek) , der Ende 2016 im Springer VS Verlag erscheint. (mehr …)