Die demonstrative Absage

Freizügig, gerne wiewohl kursorisch vermag in vielerlei politischen Debatten über die Unabhängigkeit der Wissenschaft fabuliert, diese prätentiös angemahnt und emotional protegiert werden.

In der Realität ist es mit dieser — scheinbar selbstverständlichen Ehrung — der Wissenschaftlichkeit und ihrer formalen, gleichsam normativ konstituierenden Maßstäbe nicht allzu weit her, wie vielerlei „politische“ Plagiatsfälle (z.B. Chatzimarkakis, Koch-Mehrin, Guttenberg, Schavan) verdeutlicht haben. (mehr …)

Impressionen von der IPSA: Weltkongress macht seinem Namen alle Ehre

Ungefähr 3.000 Gäste aus 80 verschiedenen Ländern kamen letzte Woche beim jährlich stattfindenden Weltkongress der International Political Science Association (IPSA) in Montreal zusammen und ich hatte Gelegenheit mein Promotionsprojekt zum Thema Liquid Democracy dort zu präsentieren.

Allein an den Zahlen gemessen, kann mein Fazit dieser Veranstaltung nicht gerecht werden: Über 50 Themen-Panels mit täglichen Session mit durchschnittlich fünf Speakern adressierten das diesjährige Thema „Contemporary Challenges of Governance“. Einen persönlichen Eindruck möchte ich trotzdem gern teilen. (mehr …)

„Hybridisation of Food Governance – Trends, Types and Results“ Bericht zum Internationalen Workshop an der Radboud University, Nijmegen, 15.-16. Mai 2014.

Statistisch gesehen nimmt jeder Mensch im Laufe seines Lebens etwa 75.000 bis 100.000 Mahlzeiten zu sich. Damit widmet ein jeder von uns 13 – 17 Jahre seiner Lebenswachzeit der Aufnahme von Nahrung. Dabei gehen Konsumenten und Verbraucher davon aus, dass die von ihnen gekauften Nahrungsmittel sicher, von möglichst hoher Qualität und adäquat etikettiert sind. 

Einhergehend mit Internationalisierung und Europäisierung kam es  zu einer weltweiten Veränderung der Produktionsbedingungen, Infrastrukturen, Märkte und Transportwege. Anbau- und Produktionsmethoden haben damit ein hohes Maß an Komplexität erreicht und Prozessattribute sind rückwirkend kaum mehr nachvollziehbar. Vor diesen Hintergrund setzte sich der am 15. und 16. Mai 2014 in Nijmegen stattfindende internationale Workshop unter gleichnamigen Titel mit der „Hybridisation of Food Governance“ auseinander. (mehr …)

Regulierung durch Algorithmen?

Was zunächst wie eine düstere Zukunft klingt, birgt durchaus Chancen und ist in weiten Teilen unseres alltäglichen Lebens bereits gern gesehene Realität: Die Steuerung durch Algorithmen. Doch welche Implikationen ergeben sich aus einer Verlagerung von politischen Entscheidungen auf mathematische Modelle?

In einem lesenswerten Essay stellt sich Evgeny Morozov diesen Fragen. Morozov ist einer der profiliertesten Netzkritiker, der vor allem mit seinem Titel „The Net Delusion – The Dark Side of Internet Freedom“ Aufmerksamkeit erregte. Seine monatliche Slate-Kolumne erscheint unter dem Titel „Silicon Democracy“ auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Morozovs systematische Analysen werfen einen kritischen Blick auf das Netz und erörtern Chancen und Gefahren einer zunehmenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutungsverlagerung ins Internet, ohne dabei einer technikfeindlichen Agenda zu folgen. Vielmehr greift er die dezidiert politischen Fragestellungen auf und beschreibt die zunehmende Entpolitisierung der Netzpolitik. (mehr …)

Zum Tod von Iring Fetscher

Beinahe identisch zeugen die Überschriften der Nachrufe auf Iring Fetscher von den Themen, die wir mit ihm assoziieren.

Sowohl die Süddeutsche Zeitung, als auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung heben auf Fetschers Faible für Karl Marx und seine ironische Verhandlung von Märchenstoffen ab. Doch auf Marx und Märchen sollte man Fetscher nicht reduzieren. (mehr …)

DGfP-Tagung “Emotionen und Politik”

Wie sehr Emotionen in der Politik eine Rolle spielen, zeigt exemplarisch ein Interview mit Joachim Gauck am Rande des WM-Finals 2014 in Rio de Jainero. In der Politikwissenschaft lässt sich eine (Neu-)Entdeckung der Emotionalität beobachten.

Sie korrespondiert mit einem Vertrauensverlust in rationalistische Modelle und Analysen, die den menschlichen Faktor nicht ausreichend zu erklären vermögen. Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft nimmt sich in ihrer 32. Jahrestagung dem Thema an und hat ein dichtes Programm aufgestellt, welches auch einen Nachwuchsworkshop beinhaltet. Ab Mittwoch, den 23. Juli adressiert die Tagung Fragen nach einer neuen Forschungsagenda, welche die Dichotomie aus Rationalität und Emotionalität überwinden und die Rolle von Emotionen für politisches Handeln entschlüsseln könnte.

Angiesiert – Zur Nähe zwischen Kanzlerin und deutscher Nationalelf

Neben dem Spiel, war auch die Selfie-Quote der Spieler der deutschen Nationalmannschaft beeindruckend. Eine Unmenge an Bildern streuten die frisch gekürten Weltmeister in den vergangenen zwei Tagen in die sozialen Netzwerke.

Zwei Protagonisten waren dabei auszumachen: Der World-Cup und Kanzlerin Angela Merkel. Merkel schien dabei Bundespräsident Joachim Gauck spielend auszustechen, wenn es um den Vorzug bei Ihren „Lieblingsbürgern“ (O-Ton Tom Bartels, ARD, gemeint sind die Nationalspieler) ging. (mehr …)

Parlament und Kommunikation – Anmerkungen zu einem schwierigen Verhältnis oder: Befindet sich der Bundestag in der Kommunikationsfalle? Von Stefan Vorderstraße

Im Fokus stehen der spannungsreiche Komplex parlamentarischer Kommunikation und die Frage, wie der Bundestag seine multiplen kommunikativen Aufgaben erfüllen kann.

Um der Vielschichtigkeit der parlamentarischen Politikvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit gerecht zu werden, wird die systematische Betrachtung mittels eines analytischen Dreischritts angeleitet. Die parlamentarische Kommunikation beeinflussenden Entwicklungen werden auf der Makroebene anhand des Trends zur Mediengesellschaft nachvollzogen. Auf der Mesoebene wird das Spannungsfeld zwischen parlamentarischer und massenmedialer Arena betrachtet, bevor auf der Mikroebene die Auswirkungen dieser Entwicklungen anhand der Rolle des Bundestagspräsidenten erörtert werden. (mehr …)

Innenansicht der Bush-Administration

“The Unknown Known” – So heißt der neue Dokumentarfilm von Errol Morris, der sich mit den Entscheidungslogiken der Bush-Administration beschäftigt. Im Fokus steht dabei Donald Rumsfeld, einer der zentralen Figuren der Bush-Jahre. Morris nimmt sich oftmals dezidiert politische Themen vor und konnte vor allem mit seinem 2004er Film “The Fog of War” reüssieren.

Nun also Donald Rumsfeld, dessen Innenansichten in diesem Film Raum geboten werden. So zeigt “The Unknown Known” viel von den Logiken des Entscheidens unter Unsicherheit sowie unter äußerem und innerem Druck. Auch legt der Film die Legitimationsstrategien, welche die Protagonisten nutzten, um ihre Handlungen historisch einzuordnen und zurechtzurücken offen und zeugt in gewisser Weise von den Wirkungen der Macht, die sich in der Person Rumsfeld noch heute äußern.

Verschlafen bürgerlich – Essay von Karl-Rudolf Korte in “Die Welt”

Wer über den Begriff “bürgerlich” nachdenkt, artikuliert stets gefühlte Zugehörigkeiten. Das gilt ebenso für die häufig synonym gebrauchte Zuordnung der politischen Mitte.

Wohlfahrtsstaatlich, gesellschaftspolitisch, wahlsoziologisch fällt es schwer, klare empirische Vermessungen des Bürgerlichen vorzunehmen, wenn man es nicht mit Mittelstand oder Mittelschicht verwechselt. Karl-Rudolf Korte schreibt in seinem Essay für die Welt (Ausgabe vom 19.06.14) über den Begriff des “Bürgertums”.