Call for Papers: Interessenvermittlung und Politikwandel

Die politikwissenschaftliche Forschungsagenda beschäftigt sich seit mehreren Jahren verstärkt mit der Diskrepanz zwischen politischem Agenda Setting und Erfolgsfaktoren in Politikwandelprozessen. Während die Themensetzungsprozesse kurzfristig ein hohes Maß an Bewegung und Variation aufweisen, lässt sich die politische Wirksamkeit für einen Politikwandel oftmals nur über jahrelange Zeiträume nachzeichnen.  Ein prominentes Beispiel für diesen Widerspruch ist die „Fridays For Future“-Bewegung. Seit Dezember 2018 erregt die Bewegung – mit dem Gesicht der Bewegung Greta Thunberg – durch ihre freitäglichen Klimastreiks immer wieder Aufmerksamkeit.

Vor diesem Hintergrund soll der Schwerpunkt „Interessenvermittlung und Politikwandel“ von Regierungsforschung.de beleuchten, welche Akteure und Strategien bei der Interessenvermittlung eine Rolle spielen und welchen Einfluss diese auf langfristigen Politikwandel ausüben. Gesucht werden Kurzanalysen, Essays und Forschungspaper, die verschiedene Facetten und Prozesse dieses Themas abbilden. Der Schwerpunkt startet im Herbst 2019.

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NGOs als besondere Akteure der Interessenvermittlung

Dr. Maximilian Schiffers, der an der NRW School of Governancezu NGO- und Lobbying-Themen forscht, analysiert die Handlungsrationalität von NGOs in Prozessen der politischen Interessenvermittlung. Die Ergebnisse der qualitativen Studie zeichnen ein differenziertes Bild der verschiedenen Profilausprägungen und der vielfältigen Strategie- und Handlungspraxis von NGOs. In Kürze erscheint eine frei zugängliche Open Access Publikation des ausführlichen Forschungsberichts.

Das Forschungsprojekt „NGOs und Politikmanagement“ thematisiert die Rolle von NGOs als besondere Akteure der Interessenvermittlung. Als Leitfrage untersucht es, wie verschiedene Typen von NGOs im Rahmen öffentlichkeitswirksamer politischer Prozesse agieren. Mit einer explorativen und qualitativen Forschungsstrategie vergleicht es fünf systematisch ausgewählte NGOs, die über verschiedene Strategie-Ausprägungen der Interessenvertretung (advocacy) sowie der Service- und Projektarbeit (non-advocacy) identifiziert wurden. Als theoretische Perspektive dient ein Dreieck der Handlungsrationalität – aus Unterstützungs-, Einfluss- und Reputationslogik – für NGO-Handeln im Kontext moderner Governance-Strukturen. Die Ergebnisse geben einen differenzierten Einblick in die Strategie- und Handlungspraxis von NGOs.

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Thüringen vor der Landtagswahl vom 27. Oktober 2019

Apl. Prof. Dr. Torsten Oppelland, der an der Friedrich-Schiller-Universität Jena lehrt und forscht, analysiert die Ausgangslage vor der heißen Phase des Wahlkampfes in Thüringen. DIE LINKE, die SPD und Grüne können vor dem Wahlkampf auf eine stabile rot-rot-grüne Koalition zurückblicken und dies für die Wählergewinnung nutzen. Das Abschneiden der FDP könnte den Ausschlag geben, ob diese Koalition – die alle Partner bereit sind, weiterzuführen – rechnerisch erneut möglich wird. Hierzu entwirft der Autor der Szenarien.

Bei der kommenden Landtagswahl wird sich entscheiden, ob das „Experiment einer rot-rot-grünen Koalition unter linker Führung“ in elektoraler Hinsicht erfolgreich sein wird. Zwar gibt es inzwischen auch in Bremen eine rot-rot-grüne Koalition (und manchmal hat man den Eindruck, dass dieses Koalitionsmodell erst seitdem „im Westen“ zur Kenntnis genommen wird), aber bislang ist Thüringen dahingehend einzigartig geblieben, dass nur hier ein von der Partei DIE LINKE gestellter Ministerpräsident, Bodo Ramelow, die Regierung führt. Insofern wird die Wahl nicht nur spannend, weil offen ist, ob die Koalition bestätigt werden wird, wie aktuelle Umfragen es nach mehreren Jahren, in denen dies ausgeschlossen schien, erstmals wieder in den Bereich des Möglichen rücken.

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Fortschritte bei der Europäisierung der Europa-Wahlkämpfe nationaler Parteien?

Apl. Prof. Dr. Torsten Oppelland und Felicitas Riedel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena blicken auf die Europa-Wahlkämpfe nationaler Parteien zurück. Wie stark war der Bezug nationaler Parteien zur europäischen Ebene während des Wahlkampfes? Die Autoren stellen unter anderem die Frage, inwiefern sich die nationalen Parteien an den von Kommission und EP formulierten Zielen orientiert und diese in ihren Wahlkampagnen berücksichtigt haben, zum Beispiel durch die Zugehörigkeit zu einer europäischen Partei kenntlich zu machen.

Die Wahlkämpfe für die Wahlen zum Europäischen Parlament fanden 2014 und 2019 unter recht ähnlichen Umständen statt. Beide Male stellten die europäischen Parteien – gemeint sind hier die Parteiverbünde auf europäischer Ebene, nicht die nationalen Parteien in Europa, die diesen Europäischen Parteien angehören wie die Landesverbände zu einer Bundespartei – Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten auf. Auch die Begründungen für dieses Vorgehen waren gleich.

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Landtagswahlen im Osten: Postmoderne Regierungsbildung – Minderheitskabinette

Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, der Direktor der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen ist, analysiert anlässlich der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen die Potenziale einer Minderheitsregierung. Wenn Wählermärkte und Koalitionsmärkte nicht mehr zusammenpassen und eine Groko rechnerisch nicht mehr reicht, kann eine Minderheitsregierung konstruktiv weiterhelfen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Suche nach Mehrheiten, bei der verschiedene Modi denkbar sind.

Minderheiten kämpfen gegen Ressentiments. Das gilt auch für Minderheitsregierungen. Wähler verbinden damit Chaos und wechselnde Mehrheiten. Instabilität und Politikstau kennzeichnen vorurteilsgeladen Minderheitsregierungen in den Bundesländern. Wenn Wählermärkte und Koalitionsmärkte nicht mehr zusammenpassen und eine Groko rechnerisch nicht mehr reicht, kann eine Minderheitsregierung aber konstruktiv weiterhelfen. Postmoderne Regierungsbildung als Ausweg?

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Die Wahlkampf- und Kommunikationsstrategie der V-Partei^3 und der ÖDP für die NRW-Landtagswahl 2017

Niklas Graf, der an der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen studiert, analysiert die Wahlkampf- und Kommunikationsstrategie der beiden ökologischen Kleinstparteien V-Parteiund der Ökologisch-Demokratischen Partei. Dabei beobachtet er, dass es gerade bei Themen, welche ebenso andere Parteien in Nordrhein-Westfalen besetzen, eine schwer überwindbare Aufmerksamkeitshürde für weniger bekannte politische Akteure zu geben scheint.

In diesem Dossier werden der Wahlkampf sowie die Kommunikationsstrategien der V-Parteiund der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) analysiert, Rahmenbedingungen und Begleitumstände näher beleuchtet sowie Besonderheiten und Gemeinsamkeiten zwischen den Parteien identifiziert. Analysekriterien sind die Inhalte und Themen der Parteien, deren Akteure und Ressourcen sowie Strategien, Wahlkampfinstrumente, Angebotsformate und ihre Medienpräsenzen. Was waren die zentralen Themen der einzelnen Kampagnen? Welche Wahlkampfformate, Medien und Stilmittel wurden eingesetzt? In welcher Art und Weise wurden die Wahlkämpfe organisiert? Was funktionierte bei der Kampagnenführung besonders gut, was eher nicht?

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Helmut Willke: Komplexe Freiheit – Konfigurationsprobleme eines Menschenrechts in der globalisierten Moderne

Laut Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, der an der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen forscht und lehrt, lohnt sich die Lektüre des Buches Komplexe Freiheit – Konfigurationsprobleme eines Menschenrechts in der globalisierten Moderne von Helmut Willke. Der Autor sieht unser Wissen – und damit auch die Freiheit –  digital bedroht. Komplexitätsmanagement wird so zu einem Dispositiv der Freiheit.

Für Lesefans des systemtheoretischen Demokratieanalytikers liefert das neue Buch viel Nachdenkenswertes. Vieles kennt man, wenn man Willke, den Bielefelder Soziologen, lesend verfolgt. Es fehlt diesmal die Kondensation, wie beispielsweise im Buch „Regieren“ (2014), in dem er seine steuerungstheoretischen Prämissen für moderne Regierungsforschung eingeordnet hatte. Schon damals mischte er seine Ideen mit epistemologischen Überlegungen. Diesmal sieht er unser Wissen digital bedroht und damit die Freiheit. Er entwickelt unter den Bedingungen einer komplexen Freiheit Spuren der Digitalmoderne.

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Die Wahlkampf- und Kommunikationsstrategie der Partei Die Republikaner für die NRW-Landtagswahl 2017

Simon Dahlmann, der an der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen studiert, analysiert den Wahlkampf der Partei Die Republikaner zu den NRW-Landtagswahlen 2017. Trotz positiver Resonanz bei Wahlkampfveranstaltungen erreichte die Partei nur einen Bruchteil der Wahlergebnisse vergangener Jahrzehnte. Gründe hierfür sind unter anderem ein junger, unerfahrener Spitzenkandidat mit rechtsextremer Vergangenheit und die Option für rechtsextreme und rechtspopulistische Wähler, die AfD zu wählen.

Der Erfolg der Partei Die Republikaner (kurz: REP) bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl lag in der reinen Teilnahme. 2012 war der rechtspopulistischen Partei die Teilnahme aufgrund fehlender Unterstützungsunterschriften verwehrt geblieben. Mit den erreichten 0,08% bzw. 6.597 Zweitstimmen, erhielt die Partei nur noch einen Bruchteil der Wahlergebnisse vergangener Jahrzehnte. Bei der NRW-Landtagswahl 1990 hatte sie mit 1,8% ihr bislang bestes Ergebnis verzeichnet.

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Die Wahlkampf- und Kommunikationsstrategie der NPD für die NRW-Landtagswahl 2017

Simon Dahlmann, der an der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen studiert, analysiert den Wahlkampf der rechtsextremen NPD zu den NRW-Landtagswahlen 2017. Obwohl Kernthemen der Partei, wie beispielsweise die Auswirkungen der Flüchtlingskrise oder die Sorgen um die deutsche Identität, bei den Wählern auf Interesse stießen, profitierten andere Parteien. Denn zum einen war die NRW-NPD durch Flügelkämpfe und personelle Querelen geschwächt. Zum anderen fehlten finanzielle Ressourcen und waren nur wenige Kreisverbände im Wahlkampf aktiv. Lediglich online gelang es der NPD, Aufmerksamkeit zu erzielen.

Für die nordrhein-westfälische NPD war das Ergebnis der Landtagswahl 2017 ein weiterer Schritt auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit. Der rechtsextremen Partei ist es mit ihren erreichten 0,3% abermals nicht gelungen, den seit der Landtagswahl 2005 andauernden Wahlstimmenverlust zu stoppen. Von den Auswirkungen der Flüchtlingskrise und den Sorgen um die Identität und den Erhalt des „deutschen Volkes“ profitierten andere Parteien.

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Die Wahlkampf- und Kommunikationsstrategie der Parteien MLPD und DKP für der NRW-Landtagswahl 2017

Martha Franzeska Kubitsch, die Studierende an der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen ist, wirft einen Blick auf zwei linksextreme Parteien im Wahlkampf zu den NRW-Landtagswahlen 2017: die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD). Beide Parteien zielten darauf ab, mit ihren Kampagnen die frustrierten, von den großen Parteien enttäuschten Wähler sowie die Wählermitte von ihren Ideen und Vorschlägen zu überzeugen, machten dabei jedoch von sehr unterschiedlichen Strategien bzw. Herangehensweisen Gebrauch.

Zumeist werden im Rahmen politischer Analysen vor allem die im Parlament bereits vertretenen Parteien oder besonders präsente und starke außerparlamentarische Oppositionsparteien untersucht, die um die 5%-Hürde (Sperrklausel) herum rangieren. Im Fokus dieses Aufsatzes sollen jedoch zwei Parteien stehen, die in ihrer Geschichte stets weitaus fern eines Einzugs in den nordrhein-westfälischen Landtag waren bzw. nicht einmal dafür antraten: die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD). Eine Analyse des Wahlkampfes dieser beiden Parteien ist wegen ihrer Unterscheidung von den üblich untersuchten Parteien in vielerlei Dimensionen interessant: Im Vergleich genießen diese Parteien weniger öffentlichkeitswirksame Medienpräsenz bei Talkshows, Arenen und weiteren Formaten im Vorfeld von Wahlen, die sie für die Stimmengewinnung und ein Auf sich aufmerksam-Machen nutzen könnten.

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